Nina Bruchhaus | Sensitive Matrerial

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Der Kunstverein Paderborn zeigt in dieser Ausstellung Arbeiten der Künstlerin Nina Bruchhaus.
Körper entstehen aus Farbe und verschwinden wieder in ihr. In Sensitive Material begreift Nina Bruchhaus Malerei als körperlichen Prozess: Farbe wird Haut, Raum und Empfindung. Köpfe und Körper werden durch Schichtung, Übermalung und malerische Verdichtung materiell geformt und zugleich wieder destabilisiert. Trotz ihrer körperlichen und formalen Uneindeutigkeit entwickeln die Figuren eine eigentümliche psychologische Präsenz.

Ausstellungseröffnung:
Freitag, 13. November 2026, um 19 Uhr

Die Künstlerin führt selbst in Ihre Arbeiten ein

Die Ausstellung ist im Anschluss bis Sonntag, 10. Januar ’27 geöffnet.

EröffnungFr. 13. November
19 Uhr
KunstgenussDo. 26. November
AusstellungsendeSo. 10. Januar
Öffnungszeiten
Mittwochs15:00 – 18:00
Donnerstags15:00 – 18:00
Freitags15:00 – 18:00
Samstags11:00 – 14:00
Sonntags15:00 – 18:00

Beim Kunstgenuss, am 8. Oktober, besteht wieder die Möglichkeit die Ausstellung mit der Vorsitzenden des Kunstvereins Paderborn Dr. Alexandra Sucrow in unseren Räumen zu besuchen und sich anschließend bei Getränken und Snacks auszutauschen.

Die Teilnahme am KUNSTGENUSS kostet 2,50 Euro (incl. Snacks und Getränke, keine Ermäßigung). Wir bitten um Anmeldung unter der E-Mail: info@kunstverein-paderborn.de oder Telefon 05251 / 6835281 (Anrufbeantworter).



Zu dieser Ausstellung

Nina Bruchhaus versteht Malerei als Erkenntnisprozess. Seit mehreren Jahren beschreibt sie ihre Praxis als „thinking through making“: Wahrnehmen, Denken und Malen sind keine voneinander getrennten Tätigkeiten, sondern entstehen miteinander im Arbeitsprozess. Die Stofflichkeit der Malerei bildet dabei ein körperlich erfahrbares Gegenüber zur zunehmend digitalisierten Lebenswelt.
In den jüngeren Arbeiten verlagert sich dieser Gedanke noch stärker in die Malerei selbst. Figuren stehen nicht notwendig am Anfang eines Bildes. Körper, Köpfe, vegetative oder tierähnliche Formen treten aus Schichten, Spuren und Bewegungen der Farbe hervor und können sich wieder in ihnen auflösen. Gegenständlichkeit und Abstraktion erscheinen so als unterschiedliche Zustände desselben Materials.
Der Titel Sensitive Material beschreibt dieses Verhältnis zwischen Material, Körper und Wahrnehmung. Farbe kann fleischlich oder stumpf, leuchtend oder nebelig erscheinen. Dichte, beinahe plastische Partien treffen auf offene oder monochrome Flächen. Nicht alles wird ausformuliert. Das Material behält eine eigene Präsenz und der malerische Prozess bleibt als Wechselspiel von Intention, Zufall und Reaktion sichtbar. Diese Offenheit des künstlerischen Prozesses ist ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit.
Aus der materiellen Offenheit der Gemälde entsteht zugleich eine psychologische Präsenz. Obwohl die Figuren häufig fragmentiert oder nur angedeutet bleiben, entwickeln sie durch Blicke, Körperhaltungen und einzelne anatomische Setzungen eine eigentümliche Gegenwärtigkeit. Figuration wird so weniger zur Darstellung einer Person als zum Träger eines psychischen und körperlichen Zustands. Darin liegt zugleich eine somatische Dimension. Der Körper ist nicht nur Motiv, sondern Teil der Funktionsweise der Malerei: in der Bewegung des Malens, in der Materialität der Farbe und schließlich in der körperlichen Wahrnehmung des Bildes. Sehen wird zu einer sinnlichen Erfahrung von Nähe und Distanz, Erkennen und Nicht-Erkennen.
Sensitive Material bezeichnet zugleich sensible Inhalte. Aus dem offenen malerischen Prozess entwickeln sich Fragen, die über das unmittelbar Sichtbare hinausweisen und persönliche wie gesellschaftliche Erfahrungen berühren. Ihre eigene Biografie, feministische Perspektiven und Fragen nach Werten und gesellschaftlichen Ordnungen fließen in die Werke ein, ohne ihnen als festgelegte Themen vorauszugehen. Sie entstehen vielmehr im malerischen Denken selbst – im Wechselspiel von Material, Wahrnehmung und Erfahrung.
Eine Verbindung besteht zu Josef Albers’ Untersuchungen zur Relativität der Farbe. Albers unterschied zwischen dem materiell Gegebenem und dem, was sich tatsächlich in unserer Wahrnehmung ereignet: Farbe verändert ihre Erscheinung durch ihren Kontext und wird damit zu etwas Handelndem. Bruchhaus erweitert dieses Verhältnis gewissermaßen ins Figurative: Ein Pinselzug ist Farbe auf Leinwand – und kann zugleich als Körper, Haut, Pflanze oder Raum erscheinen.
Sensitive Material bezeichnet damit nicht allein den Stoff, aus dem die Bilder bestehen. Sensitiv ist das gesamte Verhältnis zwischen Farbe, Körper und Wahrnehmung. Die Malerei wird zur Kontaktzone, in der Formen und Themen auftauchen, sich verwandeln oder wieder verschwinden.

Über Nina Bruchhaus

*1990 in Borken, lebt und arbeitet in Berlin
Ausbildung

2025 Promotionsstudium Dr. phil in art, HFBK Hamburg, Dr. Astrid Mania,
Dr. Schirin Kretschmann (AdBK München)
2022Meisterschülerin der Bildenden Kunst (Valérie Favre), UdK Berlin
2016-2022Bildende Kunst, Universität der Künste Berlin, Prof. Valérie Favre
2019/20Japanische Malerei, Musashino Art School, Tokyo, Japan
2018Bildende Kunst, Listaháskóli Íslands, Reykjavík, Island
2009Kunstgeschichte und Religionswissenschaften, FU Berlin


Stipendien & Preise

2025Promotionsstipendium Cusanuswerk e.V.
2022Vorschlag für Teilnahme am Bundespreis Kunststudierende
2022 Residenz-Stipendium, art tausch, New York
2021GOPEA-Kunstförderprojekt
2019/20Bilateraler Austausch, Tokyo, Japan
2019-23Cusanuswerk e.V. Studienförderung
2018/19Dorothea-Konwiarz-Stiftung
2018Erasmus+ der EU, Reykjavík, Island


Ausstellungen (Auswahl)

2026Medusas Blick, FARB Museum, eingeladen von Dr. Britta Kusch-Arnhold, Borken (solo)
Heimatgut, mit Media Esfarjani, Sternschuppen – Pavillon an der Volksbühne, Berlin (solo)
2025Hirnkasten & Echokammern, mit Susanne Ring, Westwendischer Kunstverein, Gartow (solo)
2024hearing hearts, Exerzitienhaus Leitershofen, Augsburg (solo)
2023Positions Art Fair mit CONRADS, Berlin (solo)
Woven within, CONRADS, Berlin (solo)
2022STAR-SPANGLED, art tausch gallery, New York, US (solo)
2019Open studio exhibition, Musashino Art School, Tokyo, Japan
2018Háflóð, Listaháskóli Íslands, Lækningaminjasafnið, Reykjavík, Island