wirklich – möglich | NADJA NAFE

wirklich – möglich | NADJA NAFE

Zur Ausstellung wirklich – möglich von NADJA NAFE laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.
Die Ausstellung wird am FR 23 JUNI 2017 | 19 UHR eröffnet.

Zur Einführung spricht Julia Pfafferodt, Düsseldorf

Öffnungszeiten: Samstag 24 JUNI – Sonntag 30 JULI 2017 | FR – SO 16 – 19 UHR

Nadja Nafe erkundet in ihren Malereien, Collagen und Scherenschnitten Grenzverläufe zwischen gegenständlich-figurativen Andeutungen und nicht mehr gegenstandsbezogenen Abstraktionen. Diese konzeptionell angelegten »Unklarheiten« bewirken ein ständiges perzeptives Changieren zwischen Andeutungen von Fläche und Raum, von Wirklichkeit und Möglichkeit.

 

Ausstellungseröffnung am 23.6.17

Julia Pfafferodt konnte ihren Text zu der Ausstellung mit den Werken von Nadja Nafe leider nicht selbst vortragen, dankenswerterweise hat ihr Mann diesen Part übernommen. Für alle, die nicht bei der Eröffnung anwesend waren hat uns  Frau Pfaffenrodt den Text zur Veröffentlichung überlassen, vielen Dank hierfür.

Nadja Nafe Wirklich – Möglich

Ein Grund, der kein Grund ist, ein Schleier, der verbirgt und offen legt, eine Form, die abgeschlossen ist und nicht endet. Die Wirklichkeit der Arbeiten Nadja Nafes ist immer etwas anderes, ist mehr als die heruntergebrochen Faktizität des Materials, aus denen sie bestehen. Leinwand, Farbe, Papier, Rahmen, Gestell verbinden sich und eröffnen in ihrer gestalteten Anwesenheit das Aufscheinen eines Möglichkeitsraums. Er beschränkt sich nicht auf die Maße der Arbeiten, sondern ergreift durch den Betrachter die Welt. Sein Ausgreifen und sein Aufscheinen bedingen sich dabei aus der Anordnung der Materialien, aus der bewussten Gestaltung der Möglichkeiten, die sie zur Verfügung stellen. Insofern setzen Nadja Nafes Arbeiten eine Grundkonstante menschlichen Lebens fort, führen sie vor Augen und lassen sie bewusst werden. Denn es gehört sicherlich zu den herausragenden Fähigkeiten des Menschen, nicht nur im Raum des Wirklichen, sondern auch des Möglichen zu leben. Das erschaffen von Dingen ist ganz grundlegend auf diese Fähigkeit zurückzuführen. Wir erschaffen Dinge, weil wir um die in der Wirklichkeit angelegten Möglichkeiten wissen, oder sie zumindest erahnen. Weil wir wissen, dass es etwas gibt, was jenseits des erlebten Moments und der scheinbar eindeutigen, da eindimensionalen Gegenwart der Dinge liegt. Dieses aufscheinende Andere lässt sich durch unser Handeln nicht grundlegend gestalten, wir sind keine Götter, aber wir sind in der Lage entsprechend unserer Fähigkeit, ein Mögliches zu erahnen und zu denken, den Versuch zu unternehmen, mit unseren Handlungen die Wirklichkeit auf die eine oder andere Möglichkeit hin zu verändern. In der Regel denken wir dabei an praktische Dinge, sei es Feuer, Fahrrad oder Kühlschrank, die uns unser Leben erleichtern. Kunstwerken aber kommt in dieser, unserer Welt, eine Besonderheit zu. Wie die alltäglichen Dinge legen sie ein beredetes Zeugnis für unsere Wirksamkeit ab, Materialität wird gestaltet und zusammengeführt, das heißt, eine Möglichkeit wurde ergriffen und eine neue Wirklichkeit konstituiert. Darüber hinaus kann Kunst aber diesen Zwischenraum von Wirklichkeit und Möglichkeit, in welchem wir leben, bewusst thematisieren. Eben dies gelingt Nadja Nafe in ihren Arbeiten auf prägnante Art und Weise. Ihre Materialien und die Verbindung derselben sind bewusst gesetzte Entscheidungen, um das Aufscheinen einer möglichen Wirklichkeit beziehungsweise einer wirklichen Möglichkeit im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen zu führen. In ihren Arbeiten changieren räumliche Tiefe und Oberflächen, es finden sich abgeschlossene Formen, die sich jenseits des Bildraums fortzusetzen scheinen, Strukturen die in Bewegung geraten. Es ist ein sowohl als auch, eine permanente Hinterfragung des Sichtbaren und dieses in einem Medium, das an sich nach Arretierung strebt. Es erscheint nur als konsequent, wenn Nadja Nafe das Beziehungsgeflecht ihrer Arbeiten behutsam erweitert. Neben den großen und kleinen Leinwandbildern, die zum Teil Schichten aus Papier enthalten, finden sich Collagen und Scherenschnitte. Letztere, angebracht an im Raum stehenden Gestellen, intensivieren die Öffnung der Wirklichkeit des Bildraumes hin zum Raum des Betrachters. Beide sind dem Licht der Umgebung ausgesetzt, das die Fragilität und Flüchtigkeit, die in allen Arbeiten Nadja Nafes angelegt ist, noch einmal steigert. Möglichkeiten sind flüchtige Angelegenheiten. Wären sie es nicht, müssten wir wohl von Wirklichkeit sprechen. Sie erscheinen dabei als ein dahinter beziehungsweise darin. Angelegt, angedeutet, in einem gewissen Gerade definiert durch die vorgefundene Wirklichkeit, aber noch nicht ergriffen und umgesetzt. Nadja Nafes Arbeiten geben uns nicht vor, welche konkrete Möglichkeit es zu finden gilt, sondern sie eröffnen aus der gestalteten Wirklichkeit ihrer selbst heraus uns einen Möglichkeitsraum. Insofern legen sie Zeugnis darüber ab, dass sich aus Möglichkeit Wirklichkeit konstituiert und aus selbiger neue Möglichkeiten. Mit Blick auf den glücklich gewählten Titel dieser Ausstellung kann daher sowohl von dem wirklich Möglichen und dem möglich Wirklichen gesprochen werden. Ich wünsche ihnen viel Neugier, Erstaunen und Freude beim Auskundschaften dieses Zwischenraums, wie er von Nadja Nafe gestaltet wird.

Weitere Informationen zu Nadja Nafe finden sie auf ihrer Homepage.

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